Plakat Zeichnung Gärtnerhof Oldendorf

Krumme Gurken für eine fairere Landwirtschaft? Bericht vom Jep:


Am Freitag, den 13.07.2018, waren Mitglieder des Jungen entwicklungspolitischen Forums (Jep) zu Besuch beim Gärtnerhof Oldendorf.


“Wir waren aus verschiedenen Gründen an einem Besuch des Gärtnerhofs interessiert: neben dem allgemeinen Interesse an der Funktionsweise des Hofs ging es uns auch um die Idee hinter der Solidarischen Landwirtschaft und die Frage, was für einen Beitrag die SoLaWi für eine nachhaltige Gesellschaft leisten kann – auch global gesehen.


Ein kleiner Hof im Nirgendwo Nach einer Bahn- und Radtour von Bremen ins beschauliche Oldendorf wurden wir von den Mitarbeiter*innen des Hofs freundlich empfangen. Der erste Blick auf den vorderen Bereich machte nicht direkt offensichtlich, dass hier einige Dinge anders laufen. Ein paar Schritte durch das Vorderhaus, offenbarte sich uns dann ein anderes, buntes, im positiven Sinne leicht chaotisches Bild. Da stand ein hölzernes Podest mit abgewetzten Sofas, nicht besonders stabil wirkend, da watschelten gemütlich drei Gänse fröhlich pickend durch das Panorama. Das Wort „Idylle“ ist hier durchaus angemessen, es fühlt sich an, als könne der Ort sein und wachsen, wie er ist.


Ein Gegenentwurf zu konventioneller Landwirtschaft Das Thema Landwirtschaft und Ernährung ist eng verbunden mit Fragen des fairen Wirtschaftens und Klima- und Umweltschutz. Phänomene wie das Insektensterben zeigen immer deutlicher die Folgen konventioneller Landwirtschaft. Global zeigen sich die Probleme in Regenwaldrodung für Futtermittel in der Massentierhaltung, in der exzessiven Verwendung von Pestiziden und Herbiziden, in Monokulturen und bei langen, klimaschädlichen Transportketten.


Die solidarische Landwirtschaft kann in gewisser Weise als Gegenentwurf zu all diesen Trends in der Landwirtschaft gesehen werden. Natürlich wird auch hier Kulturbau betrieben – naturbelassen ist dieser Ort nicht. Doch der Gärtnerhof Oldendorf produziert die Lebensmittel biologisch und regional, auch die Jungpflanzen werden selbst aufgezogen. Dazu wird nur eigener Kompost verwendet. Lieferketten und Zwischenhändler gibt es nicht, stattdessen kann das Gemüse vor Ort oder bei Verteilstellen abgeholt werden. Kaufen kann man nichts – die Mitglieder zahlen dafür, dass der Hof läuft und bekommen dann einen Ernteanteil.


Die Gurken vom Gärtnerhof konkurrieren also nicht mit den kerzengeraden Supermarktgurken mit Plastikhaut, sondern wachsen so, wie es kommt. Und das ist dann auch mal krumm. Gegessen werden können sie trotzdem.


 

Qualität statt Quantität Für uns wurde dabei deutlich, dass das ganze Ökosystem und die Interaktion der verschiedenen Nutzpflanzen im Fokus stehen. Auch wenn uns aus wissenschaftlicher Sicht schwerfällt, einigen Ansätzen etwas abzugewinnen (z.B. Vergraben der Hörner, Energieflüsse in der Kuh), überzeugt uns der Versuch, einen Kompromiss zwischen Kulturlandschaft und möglichst guter Verträglichkeit für das Ökosystem zu finden.


Die Gärtner*innen vom Gärtnerhof Oldendorf achten auf abwechslungsreiche Fruchtfolgen und Mischkulturen, die zu einem gesunden Boden und einen höheren Hektarertrag zugleich beitragen sollen – alte Tugenden, die den Einsatz von Pestiziden auch heute wieder überflüssig machen können. So zeigte uns Jan, dass Kohlpflanzen, Salate und Bohnen gut zusammen angebaut werden können, ergänzt um Klee.


Statt hybridem Saatgut von Saatgutkonzernen werden zudem samenfeste Sorten genommen und neue Sorten herangezüchtet. Der Ertrag vermindert sich durch all diese Maßnahmen, aber dafür stimmt die Qualität, wovon wir uns auch überzeugen konnten: die Tomaten sind deutlich geschmackvoller als das Supermarktpendant!


 

Risikobereitschaft und Experimentierfreude Auch wenn sich der Hof über Mitgliedsbeiträge refinanzieren muss, eröffnet die Marktunabhängigkeit den Gärtner*innen die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren. So experimentiert Jan mit verschiedenen Tomatensorten, die zum Teil erheblich variieren. Hier wird einfach mal ausprobiert, um den knappen Platz, den der Hof zur Verfügung hat, besser zu nutzen.


Fehler und entsprechende Ernteausfälle sind da vorprogrammiert. Dass dann mal weniger Gemüse in den Abholstellen liegt, ist kein ausgebliebenes Versprechen, sondern Teil des Konzepts.


Auch fühlen sich die Mitarbeiter*innen des Hofes dem Bildungsauftrag der SoLaWi verpflichtet: Was hat wann Saison? Warum gibt es dieses Jahr weniger Ertrag und was braucht es, damit das Gemüse wächst, was wir essen? Daher werden die Mitglieder verpflichtet, für jeden Ernteanteil, den sie erwerben, auch eine bestimmte Zahl an Stunden auf dem Hof mitzuarbeiten.


Dies ist zwar nicht immer eine Arbeitsentlastung, meint Jan vom Gärtnerhof, allerdings hilft es, Menschen dazu zu bringen, sich wieder mehr damit auseinanderzusetzen, wo ihr Essen herkommt. Und zu verstehen, dass frische Tomaten und Beeren im Winter ökologisch schlecht sind. Dann lieber einkochen.


Eine interkulturelle Perspektive Die aktuell betriebene Art von Landwirtschaft hat massive internationale Verflechtungen: ob es nun der Dünger aus gemahlenen Horn aus Asien ist, der Import von Lebensmitteln aus Übersee, nur weil sie gerade außer Saison sind, unfaire Anbaubedingungen oder die Überschwemmung von Märkten in afrikanischen Ländern durch Fleisch und Milch aus europäischer Überproduktion.


Bei unserem Besuch zeigte sich uns, dass die SoLaWi mit ihrem Konzept gar nicht so weit weg ist von dem, was in anderen Ländern in kleinbäuerlicher Praxis schon lange und teilweise immer noch angewendet wird. Die Schwiegereltern eines Jep-Mitglieds aus Nepal, die selbst Bäuer*innen sind, waren nämlich mit dabei und konnten ihre Erfahrungen und Perspektiven mit den Gärtner*innen und uns teilen: Da wurde sich zum Beispiel über die Nutzung der verschiedenen Teile von Senfpflanzen unterhalten oder auch die besonders schmackhaften Tomaten ausgetauscht, um die Samen für den Anbau vor Ort zu nutzen. 


Solawi als DIE Lösung? Projekte wie der Gärtnerhof Oldendorf sind im Kommen. Deutschlandweit und auch anderswo finden sich mittlerweile Kollektiven und Höfe, die das Modell praktizieren. Viele sehen die SoLaWi als soziale Bewegung, die eine Wende in der Landwirtschaft und Ernährung einleiten wird.


Eine realistischere Einstellung hörten wir vor Ort von den Gärtner*innen in Oldendorf. Dass die SoLaWi kurz- oder mittelfristig eine ernsthafte Konkurrenz zum klassischen Marktmodell mit Zwischenhändlern und Preis- und Ertragsdruck wird, bezweifelt Jan. Wichtig wäre es aber, dass die dahinterliegenden Ideen wie ökologische Nachhaltigkeit, Sortenvielfalt oder regionale und saisonale Produktions- und Konsummuster wieder mehr in den Fokus rücken.


Wir fanden unseren Besuch sehr erkenntnisreich und denken, dass die SoLaWi und insbesondere der Gärtnerhof Oldendorf ein unterstützenswertes Konzept ist! Zwar wird sie voraussichtlich kein Massentrend, kann aber als eine Art Leuchtturm für eine Neuausrichtung unserer Ernährung auf regionale und umweltverträgliche Erzeugung sowie fairere Handelsketten gesehen werden.”


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Das Junge entwicklungspolitische Forum (Jep) ist eine Plattform für junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren, die sich für entwicklungspolitische Themen interessieren und die sich gemeinsam für mehr globale Gerechtigkeit und Zusammenarbeit auf Augenhöhe einsetzen wollen.


“Wir wollen verstehen, was „Entwicklungspolitik“ ist und wie sie wirkt, welche Zusammenhänge und Herausforderungen es gibt und welche Rolle wir selber darin spielen.”


Das Jep ist Teil des Bremer entwicklungspolitischen Netzwerks (BeN e.V.).www.facebook.com/JepBremen/


 


 

Gemeinschaftsarbeit fruchtet


Seit 2018 helfen zahlreiche Mitglieder beim Jäten auf dem Gärtnerhof Oldendorf. So lässt sich eine Menge schaffen. Und lecker Mittagsbuffet isst es sich in Gemeinschaft auch besonders genussvoll…


Datum jeweils unter > Terminen zu finden.


 


 


 


 


 


 


 

Jungpflanzenmarkt


Am 6. Mai 2018 öffnete der Gärtnerhof Oldendorf wieder seinen Garten zum Jungpflanzenmarkt. Kundige Käufer kamen, um sich mit den besonderen Gemüsesorten des Hofs einzudecken, Pflanzen zu tauschen, Saatgut zu teilen, am Flohmarkt teilzunehmen, am Kuchenbuffet zu naschen oder mit der Hofführung durch die Gewächshäuser und über den Acker zu stöbern.


 


 


 


 


 


 


 

Der Gärtnerhof Oldendorf


am 24. Februar 2018


bei buten un binnen zum Thema Saatgut


 


www.butenunbinnen.de/videos/tauschware-saatgut100.html


 


 


 


 


 

SoLawi in DIE NORDDEUTSCHE


Jörn Hildebrandt berichtet in DIE NORDDEUTSCHE anlässlich der Infoveranstaltung vom BUND Bremen-Nord sehr anschaulich über Solidarische Landwirtschaft.


 


 


 


 


 


 


 


 


 



Aktionstage Ökolandbau: SoLawi & Gärtnerhof stellten sich beim Verein SozialÖkologie vor


Im Rahmen der vom 1. September bis zum 14. Oktober 2017 stattfindenden Bremer Aktionstage Ökolandbau hatten wir ein Treffen mit dem Verein und Initiator SozialÖkologie. Begegnungsstätte war die Leuchtturmfabrik, unser Depot in Findorff. Das Motto dieser Aktionstage hätte nicht treffender für uns sein können – ‚Von den Ökopionieren zur BioStadt‘.Als Ökopionier existiert der Gärtnerhof Oldendorf nun schon seit 35 Jahren und mit der Gründung der SoLawi Oldendorf und unseren Depots arbeiten wir kräftig daran mit, aus Bremen eine BioStadt zu machen. So gab es nach der Begrüßung von Monika Baalmann von SozialÖkologie auch viel zu berichten: Uwe als Vorstandsvorsitzender hat unsere SoLawi vorgestellt, Rike als Mitgliederbetreuerin eben diese Betreuung sowie unsere Depotorganisation.Jan steuerte bei schönem Wetter unzählige Geschichten und Anekdoten vom Hofleben und Gärtnerdasein bei. Zusammen mit dem wunderbaren Gemüse zum Verkosten, dem leckeren Kuchen der Backstube am Mühlenberg und anderen Köstlichkeiten ein gelungener Nachmittag, bei dem auch abholende Mitglieder direkt unseren Depotablauf vorführen konnten. Imker und Honig-Lieferant Heinz Wildner rundete das informative und fruchtbare Treffen ab.


 


 


 


 

Nachschlag zum Hoffest im August


Es hat etwas länger gedauert, doch hier sind nun Eindrücke und Fotos von unserem Hoffest. Das Wetter war durchwachsen, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Zum Abend wurde es sogar noch romantisch und stimmungsvoll. Mehr Bilder unter dem Menüpunkt Gärtnerhof/ Fotos.


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 

Erntefest, Erntedank und Michaeli Präparatefest


Wer Umzu von Bremen oder Bremerhaven wohnt oder vom Land kommt, kennt es nicht anders, denn sie gehören einfach dazu: Gemeint sind die Erntefeste in den Dörfern und Gemeinden. Manch neuer Bewohner wundert sich vielleicht über das mehrere Tage andauernde Fest mit Laternenlauf, Zug der Umzugswagen, Festplatz, Karussell und Gottesdienst. Manch anderer neuer Bewohner wundert sich eventuell ebenso über den frühen Zeitpunkt der Erntefestsaison mitten im Sommer. Diese Tradition beruht auf dem Einfahren der Wintergerste, die üblicherweise im August beendet ist.


Im Gegensatz dazu steht das heutige christliche Erntedankfest, das in Deutschland seit 1972 immer am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Es gibt einen besonderen Gottestdienst und der Altar ist mit prächtigen Gaben und Ähren geschmückt. Nicht selten ziert eine Erntekrone das Kirchenschiff. In der Vergangenheit wurde Erntedank von den Kirchen auch gerne am Michaelistag am 29. September begangen.


Hier schlagen wir nun den Bogen zu uns. Denn für Demeter-Höfe kommt diesem Tag auch eine große Bedeutung zu, da hier das Michaeli Präparatefest gefeiert wird. Bei uns auf dem Gärtnerhof in diesem Jahr übrigens am Samstag, 30. September um 14.00 Uhr. Präparate bilden das Herzstück der biodynamischen Landwirtschaft. Sie haben eine große Bedeutung für den Hoforganismus und sind für jeden Demeter-Betrieb verpflichtend.


Was sind nun eigentlich biodynamische Präparate?


Das lateinische Wort Präparat bedeutet soviel wie „das Vorbereitete, das Zubereitete“. Die biodynamischen Präparate sind vitalisierende Zubereitungen für Boden und Pflanzen. Als eine Art Heilmittel für die Erde fördern sie auch Wachstum und Qualität der Pflanzen sowie die Tiergesundheit. Für ihre Herstellung werden pflanzliche, mineralische und tierische Substanzen kombiniert und  natürlichen Kräften ausgesetzt, um sie dann in veränderter Form der Natur wieder zuzuführen. Die Kompostpräparate werden aus den Heilpflanzen Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian hergestellt. (Quelle: https://demeter.de/biodynamische-praeparate) Wer sich mehr für die Präparate interessiert, sollte unbedingt das Demeter-Journal Heft 14, 2012, S. 8 – 13 lesen oder Jan, Elisa und Jamil vom Gärtnerhof fragen.


 


Wie auch immer man zu dem ein oder anderen stehen mag, es zählt der Dank an die Natur für eine ertragreiche Ernte und das ist ein schöner, verbindender Gedanke.


 

Herstellung Hornpraeparat, Quelle Demeter

Herstellung Hornpraeparat, Quelle Demeter

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